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Grüne Produkte

Strategischer Ansatz

Kundenzufriedenheit gehört zu den obersten Zielen der REWE Group in Österreich. Neben der Sicherstellung der günstigen Versorgung bei Grundnahrungsmitteln als zentrale Aufgabe des Lebensmitteleinzelhandels rücken dabei zunehmend nachhaltigkeitsrelevante Kriterien in den Fokus. Obwohl der Preis nach wie vor einen wichtigen Kaufanreiz darstellt, achten KundInnen bei der Kaufentscheidung zusehends auf ökologische und soziale Faktoren. Allerdings haben KonsumentInnen beim Begriff Nachhaltigkeit kein einheitliches Verständnis. Für die einen geht es um den Natur- oder Ressourcenschutz, während andere eher auf die sozialen Bedingungen oder Tierschutz Wert legen. Die REWE Group in Österreich will diesen Bedürfnissen Rechnung tragen und zugleich immer mehr Menschen von nachhaltigeren Produkten und Dienstleistungen überzeugen. Nachhaltigkeit begreift die REWE Group in Österreich dabei als einen Teil der Geschäftsstrategie, der zum wirtschaftlichen Erfolg beiträgt und einen wichtigen Wachstumstreiber darstellt.

Wer sich genauer mit dem Thema Nachhaltigkeit im Lebensmittelsektor beschäftigt, der weiß auch um die Herausforderungen, die es in den kommenden Jahren zu bewältigen gilt. Als Nahversorger und Produzent von Eigenmarken will die REWE Group in Österreich auch in Zukunft gewährleisten, dass KundInnen weiterhin die Fülle an qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und Produkten in den Regalen von BILLA, MERKUR, PENNY und ADEG finden. Ein wichtiger Baustein dafür sind langfristige und intensive Partnerschaften mit der Landwirtschaft, die Basis nachhaltiger Beschaffung sind.

Um sich für die Zukunft optimal aufzustellen, Nachhaltigkeit stärker in Beschaffungsprozessen zu verankern und KonsumentInnen die passenden Produkte und Dienstleistungen für einen nachhaltigeren Lebensstil anbieten zu können, wurde im Jahr 2018 der strategische Ansatz im Bereich „Grüne Produkte“ überarbeitet.

In einem nächsten Schritt werden 2019 die Strategien der Handelsfirmen mit den neuen Handlungsfeldern ab- und angeglichen. Die Handelsfirmen der REWE Group in Österreich vertreiben sowohl Markenprodukte als auch Eigenmarkenprodukte. Mit den Markenherstellern werden regelmäßig Gespräche geführt und es findet ein Austausch zum Thema Nachhaltigkeit beispielsweise im Rahmen von Brancheninitiativen oder dem jährlichen Stakeholderforum statt. Die REWE Group in Österreich beobachtet die Aktivitäten der Markenhersteller zum Thema Nachhaltigkeit genau und sucht bei Bedarf den direkten Dialog. Mit dem Ausbau des Eigenmarkensortiments übernimmt das Unternehmen auch die Verantwortung für die Gestaltung eines Produktes und nimmt direkten Einfluss darauf über die Definition von Spezifikationen.

Als international führendes Handels- und Touristikunternehmen weiß die REWE Group in Österreich um ihre besondere Rolle als Mittler zwischen Herstellern, Dienstleistern und den KonsumentInnen. Die Herstellung der Eigenmarkenprodukte hat Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt. Die KundInnen setzen voraus und sollen darauf vertrauen können, dass sich die REWE Group in Österreich als Handelsunternehmen der Verantwortung in den Lieferketten ihrer Eigenmarken bewusst ist und sich der Auswirkungen annimmt.

Die REWE Group in Österreich arbeitet daher daran, vermehrt nachhaltigere Sortimente anzubieten. Dazu zählen im Lebensmittelbereich Bio-Produkte und regionale Produkte sowie Eigenmarkenprodukte, bei denen in der Lieferkette Verbesserungen erzielt wurden.

Die Vision der Nachhaltigkeitssäule „Grüne Produkte“ lautet: „Wir erfüllen Kundenerwartungen, profilieren uns mit nachhaltigeren Lieferketten im Wettbewerb und minimieren unser Risiko“. Sie bildet das Dach der Strategie, die auf eine aktive Gestaltung nachhaltigerer Sortimente und die Förderung des Konsums nachhaltigerer Produkte abzielt.

Grundlage der Strategieadaptierung war eine umfassende Analyse der Nachhaltigkeitsrisiken und Auswirkungen der REWE Group in Österreich in den Lieferketten der Eigenmarkenprodukte. Weitere wichtige Bausteine der Strategieentwicklung waren die Befragung von Stakeholdern und KundInnen sowie politische und wissenschaftliche Analysen und Zielsetzungen (z.B. der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen).

Die Analyse hat unter anderem aufgezeigt, dass insbesondere die Rohstoffgewinnung und Verarbeitung der Produkte eine hohe Relevanz mit Blick auf Nachhaltigkeitskriterien haben. Die gesamtheitliche Betrachtung der Lieferkette ist ein wichtiges Element der Nachhaltigkeitsstrategie, die zunehmend integraler Bestandteil der Einkaufsprozesse wird und einen engen Austausch mit direkten und indirekten Lieferanten erfordert. Aus der Analyse haben sich folgende Handlungsfelder ergeben:

  • Bewusste Ernährung
  • Fairness und Sozialstandards
  • Artenvielfalt und Lebensräume (Ressourcenschonung)
  • Tierwohl

Die Strategie wird durch einen Managementansatz umgesetzt, welcher die Prinzipien und Instrumente zur Umsetzung der Maßnahmen definiert. Im Rahmen dieses Managementansatzes werden die Handlungsfelder jeweils auf folgenden Ebenen bearbeitet:

1. Internes Management

Ziel ist es, nachhaltige Beschaffung weiter in die Einkaufsprozesse der REWE Group in Österreich zu integrieren, sodass Nachhaltigkeitsaspekte bei Einkaufsentscheidungen bestmöglich berücksichtigt werden können. Dabei legt das Unternehmen durch strategische und organisatorische Projekte die Basis für konkrete Aktivitäten. Die REWE Group in Österreich trägt beispielsweise durch die Bereitstellung von Informationen auf Basis von Risikoanalysen und Briefings, die Abstimmung von verbindlichen Zielen mit den Einkaufsbereichen sowie durch Schulungen zu Nachhaltigkeitsthemen zur internen Sensibilisierung bei. Interne Reportings ermöglichen eine kontinuierliche Weiterentwicklung innerhalb der einzelnen Nachhaltigkeitsthemen. Darüber hinaus gibt es ein Monitoring über die Umsetzung der Leitlinien, deren Ergebnisse mit den verantwortlichen Führungskräften besprochen werden. Bei negativen Veränderungen werden entsprechende Maßnahmen gesetzt.

2. Lieferkettenmanagement

Risiken in der Lieferkette werden den Handlungsfeldern Bewusste Ernährung, Fairness und Sozialstandards, Artenvielfalt und Lebensräume (Ressourcenschonung) und Tierwohl zugeordnet. Die Nachhaltigkeitsrisiken, die bezüglich dieser Handlungsfelder in der Lieferkette auftreten, geht die REWE Group in Österreich gezielt durch Lieferkettenmanagement an, welches von enger Zusammenarbeit mit Lieferanten und dem Engagement auf Ebene der Produktionsstätten und der Rohstofferzeugung geprägt ist. Durch das Lieferkettenmanagement erhöht die REWE Group in Österreich zunächst, wo noch nicht vorhanden, die Transparenz entlang der Lieferkette für die Eigenmarkenprodukte. So können Risiken identifiziert und dann zielgenauer vermieden bzw. direkt adressiert werden. Darüber hinaus wird die Integration von Nachhaltigkeit als Teil der Lieferantenbewertung gefördert und durch Sensibilisierung und Verpflichtungen der Vertragspartner werden konkrete Regeln geschaffen, um Nachhaltigkeit über die gesamte Lieferkette umzusetzen. Audits und Standards sollen dabei Nachhaltigkeit in der Breite verbessern. Individuelle Maßnahmen, Trainingsprogramme und Nachhaltigkeitsprojekte zur Lieferantenentwicklung zielen darauf ab, Auswirkungen entlang der Lieferkette gezielt zu reduzieren.

3. Stakeholder-Management

Die Herausforderungen zur Bearbeitung von Nachhaltigkeitsrisiken in der Produktion der Eigenmarkenprodukte liegen oft in den globalen Handelsstrukturen und werden durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen beeinflusst. Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Identifikation der relevanten Themen und zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie ist daher ein gutes Stakeholder-Management. Dazu arbeitet das Unternehmen eng mit Stakeholdern zusammen, etwa über verschiedene Fachgremien wie der ARGE Gentechnikfrei oder im Rahmen des Stakeholderforums REWE Group in Österreich. Mittels Teilnahme an externen Veranstaltungen, Multi-Stakeholder-Foren, Brancheninitiativen oder Partnerschaften wird an der Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsstandards mitgearbeitet. Außerdem werden dadurch Informationen zu relevanten Entwicklungen auf politischer und regulativer Ebene direkt aufgenommen. Gleichzeitig wird dadurch auch Transparenz nach Außen sichergestellt, indem Stakeholder direkt von MitarbeiterInnen über Nachhaltigkeitsaktivitäten informiert werden. Für die Umsetzung der Maßnahmen und die Erreichung der gesetzten Ziele ist der Bereich Nachhaltigkeit gemeinsam mit dem Einkauf und dem Category Management verantwortlich. Innerhalb des definierten Strategieprozesses werden die identifizierten Aspekte und Fokusthemen je Handlungsfeld für jeden Warenbereich gemeinsam mit dem Einkauf und dem Category Management priorisiert und mit konkreten Maßnahmen hinterlegt. Hierbei werden auch klare Ziele und Verantwortlichkeiten abgestimmt.

Handlungsfelder

Innerhalb der vier Handlungsfelder wurden folgende Fokusthemen abgeleitet und mit konkreten Maßnahmen hinterlegt:

Bewusste Ernährung

Die REWE Group in Österreich setzt sich für eine vielfältige und gesunde Ernährung ein. Das Unternehmen bietet seinen KundInnen ein breites Sortiment zur ausgewogenen Ernährung mit natürlichen Inhaltsstoffen an. Schwerpunkte sind die Reduzierung von kritischen Inhaltsstoffen, die Erhöhung der Lebensmittelsicherheit und die Reduktion des Pestizideinsatzes. Im Jahr 2018 konnten rund 30 Eigenmarkenartikel hinsichtlich Zucker optimiert werden. Die Rezepturen von weiteren 300 Artikeln sind derzeit in der Überprüfung. Bis 2023 sollen bei 200 Artikel des Eigenmarken-Sortiments die Rezepturen überarbeiten werden, um bei noch mehr Produkten eine Zucker- bzw. Salzreduktion umzusetzen. Dabei werden keine alternativen Süßungsmittel als Ersatz genutzt. Auch soll der Zuckergehalt der Produkte Schritt für Schritt reduziert werden, damit sich die KundInnen langsam an den neuen Geschmack gewöhnen.

Fairness und Sozialstandards

In einer globalisierten Welt mit komplexen Handelsbeziehungen und einem starken wirtschaftlichen Gefälle zwischen Entwicklungs- und Industrieländern herrscht ein ungleiches Machtverhältnis. Dies kann zu sozialen Problemen wie fehlenden existenzsichernden Einkommen oder Zwangs- und Kinderarbeit führen. Die REWE Group in Österreich setzt sich für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen und die Einhaltung von Menschenrechten in ihren Lieferketten ein. Der Umgang mit den Partnern soll vertrauensvoll und fair sein.

Artenvielfalt und Lebensräume (Ressourcenschonung)

Die Nutzung natürlicher Ressourcen und die Konkurrenz um knappe Ressourcen wie Frischwasser, Land und Rohstoffe steigen weltweit. Gleichzeitig nehmen damit globale Umweltprobleme wie Klimawandel, Bodendegradierung oder Biodiversitätsverlust zu. In der Lieferkette der REWE Group in Österreich entstehen bei der Herstellung von Produkten Umwelteffekte. Die REWE Group in Österreich nimmt ihre Verantwortung wahr und setzt sich für den Schutz natürlicher Ressourcen, den Erhalt von Biodiversität und für die Stärkung von Lebensräumen ein. Auf diese Weise sollen Auswirkungen auf die Aspekte Biodiversität, Klima und Luft, Wasser und Boden sowie durch Plastik und Verpackungen nachhaltig reduziert werden. Um die Versorgung mit regionalen Produkten langfristig sicherzustellen, wurde dem Erhalt bzw. der Förderung der Biodiversität in Österreich ein besonderer Schwerpunkt eingeräumt.

Tierwohl

Die Nutztierhaltung ist ein wesentlicher Zweig der landwirtschaftlichen Produktion – die Haltungsbedingungen sind für das Wohlbefinden der Tiere entscheidend. In heutigen Produktionssystemen sind diese Bedingungen nicht immer an die natürlichen Bedürfnisse der Tiere angepasst. Darüber hinaus werden häufig routinemäßige Eingriffe am Tier durchgeführt, um die Tierhaltung in den konventionellen Haltungssystemen zu ermöglichen. Als Lebensmittelhändler setzt sich die REWE Group in Österreich für die Verbesserung der Haltungsbedingungen von Tieren und die Reduktion von Eingriffen am Tier ein. Dies umfasst tiergerechte Haltungsbedingungen, die Vermeidung von schmerzhaften Eingriffen sowie die Nutzung alternativer Rassen und die Limitierung der Überzüchtung.

Ziele und Key Performance Indikatoren (KPIs)

Für die Handlungsfelder wurden in den letzten Jahren Ziele und KPIs für die Eigenmarken definiert und verabschiedet. Der Status der Zielerreichung wird mithilfe der definierten KPIs überprüft und im Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. In folgendem werden ausgewählte Ziele dargestellt:

Handlungsfeld Bewusste Ernährung

  • Bis 2023 werden bei 200 Artikel des Eigenmarken-Sortiments die Rezepturen überarbeitet, um bei noch mehr Produkten eine Zucker- bzw. Salzreduktion umzusetzen.

Handlungsfeld Fairness und Sozialstandards

  • Seit 2016 müssen alle internationalen Erzeuger von Obst- und Gemüseprodukten soziale Mindeststandards in Form von externen Audits (z.B.: GRASP, SA8000, SAN, ETI, BSCI) belegen.
  • Seit 2016 werden sämtliche Rohkakaomengen für Eigenmarken aus nachhaltigeren Erzeugerstrukturen bezogen. Dies wird vor allem durch die Verwendung der Sozialstandards Fairtrade und UTZ sichergestellt.

Handlungsfeld Artenvielfalt und Lebensräume (Ressourcenschonung)

  • Seit 2012 gilt das strategische Ziel des überproportionalen Wachstums des Bio-Sortiments im Vergleich zu konventionellen Artikeln (Eigen- und Industriemarken) für die ganze REWE Group in Österreich.
  • 100 Prozent umweltfreundlichere Eigenmarken-Verpackungen bis 2030.
  • Bis 2025 1.000 Hektar für den Artenschutz langfristig sichern.
  • Seit 2014 sind alle Palmölbestandteile bei Eigenmarken aus zertifizierter Produktion.
  • Seit 2003 unterliegen alle Obst und Gemüse Produkte den strengen Kriterien des Pestizidreduktionsprogramm (PRP) der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.
  • Umsetzung der Detox-Kampagne von Greenpeace: Bis 2020 sichere Eigenmarken-Textilproduktion ohne gefährliche Chemikalien.
  • Seit 2009 Eigenmarken-Fische und Meeresfrüchte nur mehr aus nachhaltigerer Fischerei.

Handlungsfeld Tierwohl

  • Seit 2015 Bruderhahnaufzucht bei allen „Ja! Natürlich“ Frischeiproduzenten.
  • Seit 2013 Zertifizierung oder eindeutiger Nachweis, dass bei der Herstellung von Artikeln unter einer Eigen- oder Exklusivmarke nur Eier und Eiprodukte aus Bodenhaltung oder Freilandhaltung Verwendung finden.

Sustainable Development Goals

Bei ihren Aktivitäten hat die Säule „Grüne Produkte“ auch die globalen Ziele einer nachhaltigen Entwicklung im Blick. Dazu hat die REWE Group in Österreich im Berichtszeitraum ihre Nachhaltigkeitsstrategie mit den Sustainable Development Goals (SDGs) abgeglichen und die für sie relevanten SDGs identifiziert und priorisiert (siehe Abschnitt Nachhaltigkeitsstrategie). Drei der höchstbewerteten SDGs fallen in den Verantwortungsbereich der Säule „Grüne Produkte“: SDG 12: Verantwortungsvoller Konsum, SDG 15: Leben an Land, SDG 14: Leben unter dem Wasser.