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Fokusrohstoffe – Food

Einkaufsvolumen in Übereinstimmung mit den Leitlinien des Unternehmens

GRI FP1

Insbesondere in den Lieferkettenstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung gibt es ökologische Herausforderungen sowie ein erhöhtes Risiko der Missachtung von Arbeits- und Sozialstandards. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group in Österreich. Im Rahmen von produktbezogenen Risikoanalysen ermittelte die REWE Group in Österreich folgende kritische Rohstoffe im Food-Bereich: Obst und Gemüse allgemein, Fleisch und Milchprodukte inklusive Futtermitteln für Tiere, Kakao, Palmöl und Fisch.

Nachhaltigkeit ist als fester Bestandteil in die Unternehmensprozesse der REWE Group in Österreich integriert und wird durch eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen „Grüne Produkte“, „Energie, Klima und Umwelt“, „MitarbeiterInnen“ und „Gesellschaftliches Engagement“ sichergestellt.

Im Rahmen der Handlungsfelder Bewusste Ernährung, Fairness und Sozialstandards, Artenvielfalt und Lebensräume (Ressourcenschonung) sowie Tierwohl werden wirksame Maßnahmen in der Säule „Grüne Produkte“ entwickelt, um negative ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb dieser Handlungsfelder spielen die Aktivitäten zu den Fokusrohstoffen im Food-Bereich eine besondere Rolle.

Die REWE Group in Österreich arbeitet kontinuierlich daran, ihre Lieferketten sozial und ökologisch verträglicher zu gestalten. Dabei setzt das Unternehmen auf international anerkannte produktbezogenen Zertifizierungsstandards, arbeitet gemeinsam mit der Branche an Initiativen, setzt eigene Projekte auf und formuliert eigene Anforderungen im Rahmen von Leitlinien. Im Folgenden werden die wichtigsten Ansätze für einzelne Rohstoffe vorgestellt.

Obst und Gemüse

Von Lieferanten landwirtschaftlicher Primärprodukte im Obst- und Gemüsebereich verlangt die REWE Group in Österreich, dass sie sich im Rahmenvertrag zur Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im Rahmen der jeweils geltenden nationalen Gesetzgebung verpflichten. Dazu gehört auch die rechtmäßige Zahlung von mindestens dem geltenden gesetzlichen, tariflichen oder vertraglich vereinbarten Lohn. Beide Anforderungen sind verpflichtend und müssen von den Lieferanten belegt werden können. Die Lieferanten stehen zudem in der Verantwortung, diese Anforderungen auch für ihre Zulieferer sicherzustellen. Seit 2016 müssen alle Erzeuger von Obst- und Gemüseprodukten die Einhaltung der oben benannten Anforderungen in Form von externen Audits (zum Beispiel GLOBALG.A.P. Risk Assessment on Social Practice (GRASP), SA8000, Sustainable Agriculture Network (SAN), amfori BSCI) belegen. Die Ergebnisse der Audits werden zweimal im Jahr in Performancegesprächen mit den Lieferanten besprochen und falls notwendig Verbesserungen eingefordert.

Neben den sozialen Aspekten in der Obst- und Gemüseproduktion engagiert sich die REWE Group in Österreich  auch für die Minderung der ökologischen Auswirkungen. Dazu zählt die Zusammenarbeit mit ökologischen Standards wie Rainforest Alliance oder Fairtrade und besonders die Umsetzung des Pestizidreduktionsprogramms (PRP) der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 seit 2003.

Palmöl

Zunehmender Palmölanbau führt zu einem Verlust von Torf- und Regenwäldern. Dadurch wird der lokalen Bevölkerung häufig ihre Lebensgrundlage entzogen und Lebensräume für wertvolle Arten gehen verloren. Zudem werden durch die Rodung der Regenwälder große Mengen CO2 freigesetzt.

Vor diesem Hintergrund hat die REWE Group Anfang 2011 mit der Leitlinie für Palmöl- und Palmkernölerzeugnisse das Ziel formuliert, für ihre Eigenmarken ausschließlich Palmöl aus nachhaltigerer Produktion zu verwenden. Um dies zu gewährleisten, setzt die REWE Group in Österreich vornehmlich auf den Zertifizierungsstandard des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO), bei dem die REWE Group seit 2011 Mitglied ist. Bei der Beschaffung von zertifiziertem Palmöl gibt es vier Handelsmodelle in den Lieferketten, die unterschiedliche Ansprüche an die Rückverfolgbarkeit des Rohstoffs zu den Plantagen stellen. Seit 2014 bezieht die REWE Group in Österreich ausschließlich zertifiziertes Palmöl. Seit 2018 verzichtet „Ja! Natürlich“ als erste Handelsmarke in Österreich gänzlich auf Palmöl und stellte ihre Produkte auf alternative vor allem heimische Pflanzenöle um. Bei einigen wenigen Produkten wie Blätterteig, führte die Substitution zu Qualitätsverlusten sodass diese Produkte aus dem Sortiment genommen wurden.

Die Ziele der Leitlinie Palmöl sind auch Teil einer Selbstverpflichtung, die die REWE Group als Mitglied des Forums Nachhaltiges Palmöl (FONAP) 2015 unterzeichnet hat. Die Mitglieder des FONAP haben sich verpflichtet, ausschließlich nachhaltig zertifiziertes Palmöl, Palmkernöl sowie deren Derivate und Fraktionen in ihren Produkten zu verwenden. Mit den ambitionierten Zielen der Selbstverpflichtung soll die Rückverfolgbarkeit des verwendeten Palmöls unter der Einhaltung definierter Zusatzkriterien langfristig sichergestellt werden. Dazu gehört auch, Palmöl über das anspruchsvolle Handelsmodell Segregation zu beziehen, bei dem nachhaltig zertifizierte Ware entlang der gesamten Lieferkette durchgängig von nicht zertifizierter Ware getrennt wird. Unter der Berücksichtigung der individuellen Zielsetzung je Palm(kern)ölerzeugnis erzielte die REWE Group in Österreich im Jahr 2018 mit allen Eigenmarkenprodukten einen Gesamterfüllungsgrad von 95 Prozent.

Es wird gemeinsam mit den Lieferanten daran gearbeitet, die letzten Prozent zur Vervollständigung der Ziele zu erreichen. Die Anforderungen sind insbesondere für kleinere Lieferanten mit komplexen Lieferkettenstrukturen eine Herausforderung. Einzelne Lieferanten konnten zum Beispiel die Umstellung auf das Handelsmodell Segregation erst sukzessive umsetzen, da die Etablierung separater Warenströme sehr aufwendig ist. Dies gilt insbesondere, wenn ein Lieferant nur eine kleine Menge seiner Gesamtproduktion umstellt.

Umsetzung von FONAP-Kriterien stärken

Mit Vereinsgründung im November 2015 ist die REWE Group im Vorstand des FONAP vertreten und engagiert sich aktiv in den Arbeitsgruppen – beispielsweise zur Kommunikation sowie zur Erarbeitung und Umsetzung eines Projekts in den Erzeugerländern. Konkret handelt es sich dabei um ein Kooperationsprojekt zwischen dem FONAP und der malaysischen Nichtregierungsorganisation WildAsia, das im Juli 2018 gestartet ist. Ziel des Projekts ist es, Feedback zur Umsetzbarkeit von FONAP-Zusatzkriterien zu sammeln und ihre Anwendbarkeit gemeinsam mit ausgewählten Kleinbauern in der Region Perak/Westmalaysia zu testen. Bei den Zusatzkriterien handelt es sich um:

  • Stopp des Anbaus auf Torfböden und anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt
  • Stopp der Nutzung hochgefährlicher Pestizide (Konventionen von Rotterdam und Stockholm, WHO 1a und 1b sowie Paraquat)
  • Anwendung strenger Reduktionsziele für Treibhausgase
  • Ausschließliche Verwendung von Ölpalmfrüchten (Fresh Fruit Bunches) aus legalem Anbau

Das Projekt läuft noch bis Juli 2019.

Kakao

Ein Großteil der weltweiten Rohkakaoproduktion stammt aus Westafrika und findet in erster Linie in kleinbäuerlichen Familienbetrieben statt. Die Kakaobauern haben dort mit schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zu kämpfen und leben mit ihren Familien oft unterhalb der Armutsgrenze. In der Folge fehlen notwendige Investitionsmittel und es herrschen häufig schlechte Arbeitsbedingungen. Dies führt bis hin zu ausbeuterischen Formen der Kinderarbeit (für mehr Informationen siehe Abschnitt Kinder- und Zwangsarbeit). In der Leitlinie für Kakaoerzeugnisse hat die REWE Group in Österreich sich zu dem Ziel bekannt, bis Ende 2015 sämtliche Rohkakaomengen für ihre Eigenmarken aus nachhaltigeren Erzeugerstrukturen zu beziehen. Dies wird durch die Verwendung der Standards Fairtrade, Fairtrade Sourcing Program, Rainforest Alliance und UTZ sichergestellt. Im Jahr 2018 betrug der Anteil an zertifiziertem Kakao 99 Prozent. Gemeinsam arbeitet das Unternehmen mit seinen Lieferanten daran, das letzte Prozent zur Vervollständigung des Ziels zu erreichen. Vor allem die Umstellung von kleinen Mengen der Gesamtproduktion auf zertifizierte Ware ist eine große Herausforderung für einige Lieferanten.

Bedingungen verbessern: Forum Nachhaltiger Kakao

Als Gründungsmitglied der Multi-Stakeholder-Initiative Forum Nachhaltiger Kakao unterstützt die REWE Group zusammen mit anderen Unternehmen das Projekt PRO-PLANTEURS. Das über fünf Jahre angelegte Kakao-Projekt in der Côte d’Ivoire verfolgt das Ziel, kakaoproduzierende Familienbetriebe und ihre Kooperativen zu professionalisieren. Insbesondere Frauen sollen die Möglichkeit erhalten, ihr eigenes Einkommen zu optimieren und eine bessere Nahrungsgrundlage für ihre Familien zu schaffen. Auch soll der Kakaoanbau für junge Kakaobauern wieder attraktiver werden. Eine Einkommenssteigerung und ausgewogenere Ernährung sollen die Lebenssituation der Familien vor Ort verbessern. PRO-PLANTEURS hat zusammen mit dem Nationalen Ernährungsprogramm der Côte d’Ivoire 41 Frauen aus den 2018 neu ausgewählten Kooperativen zu landwirtschaftlichen Beratern ausgebildet. Zusammen mit den bereits ausgebildeten Beratern erreicht das Projekt über 20.000 Haushalte.

Im März 2018 wurden spezielle Trainings für Frauen durchgeführt. Als Ansprechpartner und mit einer Vorbildfunktion werden sie ihr neu erworbenes Wissen und Fähigkeiten nun in ihre Kooperativen einbringen. Im November 2018 starteten neue Schulungen für Frauen zum Thema landwirtschaftliche Diversifizierung. In einer weiteren Schulung sollen Produzenten der neu aufgenommenen Kooperativen durch ein intensives Coaching professionalisiert werden. Zudem finanziert PRO-PLANTEURS die Ausbildung von jungen Kooperativen-Mitgliedern.

Fisch

Der steigende Bedarf an Fisch und Meeresfrüchten führt dazu, dass ein Großteil der weltweiten Fischbestände stark unter Druck steht und zum Teil bereits überfischt ist. Die REWE Group in Österreich hat sich daher im Rahmen ihrer Leitlinie für Fische, Krebs- und Weichtiere dazu verpflichtet, zunehmend Fischprodukte aus nachhaltigerer und zertifizierter Fischerei und Aquakultur zu beziehen und dies dem Verbraucher transparent darzustellen. Mittlerweile stammen über 98 Prozent der Eigenmarkenprodukte bei BILLA, MERKUR, PENNY und ADEG aus nachhaltigerer Fischerei. Im Eigen- und Industriemarkensortiment der REWE Group in Österreich finden sich unter anderem über 400 MSC- und rund 70 ASC-zertifizierte Fischprodukte.

Soja als Futtermittel

In der konventionellen Nutztierhaltung wird für eine ausreichende Eiweißversorgung der Tiere in vielen Fällen auf aus Übersee importierten Sojaschrot zurückgegriffen, der häufig von gentechnisch veränderten Sorten stammt. Die REWE Group in Österreich hat deswegen in ihrer Leitlinie für Soja als Futtermittel unter anderem die Gentechnikfreiheit von Soja als Anforderung für die Erzeuger von Eigenmarkenprodukten festgelegt. Die Umsetzung dieser Anforderung erfolgt individuell für jede Nutztierspezies. Für den Nachweis der gentechnikfreien Fütterung setzt die REWE Group in Österreich auf das Siegel der ARGE Gentechnikfrei. Das gesamte Frischei-, Frischmilch und Hühnerfleisch–Eigenmarkensortiment der REWE Group in Österreich stammt aus gentechnikfreier Fütterung.