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Ökologische Aspekte in der Lieferkette

Managementansatz

Die REWE Group in Österreich bezieht eine Vielzahl von Produkten und Produktbestandteilen aus dem In- und Ausland. Insbesondere im Anbau und in der Produktion entstehen dabei negative Umwelteffekte und es werden natürliche Rohstoffe verbraucht. Gleichzeitig steigt der weltweite Bedarf an Rohstoffen – aus diesem Grund ist der Schutz der Ressourcen ein bedeutendes Anliegen der REWE Group in Österreich.

Nachhaltigkeit ist als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse der REWE Group in Österreich integriert und wird durch eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen „Grüne Produkte“, „Energie, Klima und Umwelt“, „MitarbeiterInnen“ und „Gesellschaftliches Engagement“ sichergestellt.

Im Rahmen der Handlungsfelder Bewusste Ernährung, Fairness und Sozialstandards, Artenvielfalt und Lebensräume (Ressourcenschonung) und Tierwohl werden wirksame Maßnahmen in der Säule „Grüne Produkte“ entwickelt, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Die Aktivitäten zu ökologischen Aspekten in der Lieferkette beziehen sich auf das Handlungsfeld Artenvielfalt und Lebensräume (Ressourcenschonung) – mit dem Ziel, natürliche Ressourcen zu schützen und Biodiversität entlang der Lieferketten zu erhalten. Hierzu wurden die Fokusthemen Kreislaufwirtschaft, Biodiversität und Regionalität definiert, an denen gezielt gearbeitet wird. Bei dem Thema Kreislaufwirtschaft liegt der aktuelle Fokus auf dem Thema Verpackungen.

GRI 308: Umweltbewertung der Lieferanten

Um die ökologischen Auswirkungen entlang der Lieferketten zu verbessern, versucht die REWE Group in Österreich in der Wertschöpfungskette ihrer Lieferanten und Geschäftspartner die Einhaltung von Umweltstandards sicherzustellen. Gemeinsam mit ihnen arbeitet das Unternehmen daran, Lieferketten transparenter und die Herstellung ökologisch verträglicher zu gestalten. Mit der Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften hat die REWE Group die Grundsätze ihrer Geschäftsbeziehungen formuliert. Im Bereich Ökologie gehören dazu:

  • der schonende Umgang mit Ressourcen wie Boden, Luft, Wasser und natürlichen Rohstoffen,
  • Schutz und Erhalt von natürlichen Ökosystemen und der biologischen Vielfalt (Biodiversität) sowie
  • die Vermeidung und Reduktion von Umweltrisiken.

Diese Grundwerte gelten sowohl für die eigenen Geschäftsprozesse als auch für Geschäftspartner und Lieferanten der REWE Group in Österreich. Im Falle vorsätzlicher grober Missachtung der in der Leitlinie beschriebenen Werte behält sich das Unternehmen Sanktionen vor.

Um die wesentlichen ökologischen Auswirkungen zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zur Verbesserung – in den zum Teil sehr komplexen und globalen Lieferketten der Produkte – umzusetzen, wendet die REWE Group in Österreich folgenden Prozess an.

Mittels Umfeldanalyse werden negative Auswirkungen in der Lieferkette identifiziert. Dabei werden unterschiedliche Stakeholdergruppen einbezogen und die Themen vor allem mit Nichtregierungsorganisation, Lieferanten und Interessenvertreter bearbeitet. Aus den gewonnenen Erkenntnissen leiten sich Fokusrohstoffe und Schwerpunktthemen ab. Dabei wurden Kunststoffe, Textilien und im Lebensmittelbereich Obst und Gemüse als Warengruppen mit besonders hohen Umweltauswirkungen identifiziert. Die Fokusrohstoffe und Schwerpunktthemen werden mit entsprechenden Maßnahmen bearbeitet, um negativen Effekten entgegenzuwirken. Diese Maßnahmen werden durch einen Managementansatz auf drei verschiedenen Ebenen umgesetzt:

  1. Internes Management: Es stehen Information und Schulung von EinkäufInnern sowie Treffen mit Lieferanten im Mittelpunkt.
  2. Lieferkettenmanagement: Integration von Nachhaltigkeitsanforderung bei der Ausschreibung von Produkten oder Rohstoffen, Einkauf von zertifizierten Rohstoffen oder Anforderungen als Teil von vertraglichen Vereinbarungen.
  3. Stakeholder-Management: Zusammenarbeit mit standardgebenden Organisationen bei der Weiterentwicklung von Standards. Je nachdem, welche Risiken ermittelt werden, können Maßnahmen unterschiedlich definiert sein, beispielsweise eine Einforderung von Standards und Zertifizierungen, die Zusammenarbeit mit Standardorganisationen, der Beitritt zu Brancheninitiativen sowie Projekte mit Lieferanten und Erzeugern vor Ort.

Die durchgeführten Aktivitäten werden überwacht und evaluiert. Die Erkenntnisse aus dem Monitoring fließen in die Weiterentwicklung der Maßnahmen ein.

Um die Fortschritte im Handlungsfeld Ressourcenschonung messbar zu machen, wurden folgende Ziele sowie Key Performance Indikatoren definiert (für weitere Informationen siehe den übergeordneten Managementansatz Grüne Produkte):

  • Anteil umweltfreundlichere Eigenmarkenverpackungen: 100 Prozent bis Ende 2030
  • Überproportionales Wachstum des Bio-Sortiments im Vergleich zu konventionellen Artikeln über das gesamte Sortiment der REWE Group in Österreich.

Durch die REWE Group Einkaufsgesellschaften vor Ort können Anforderungen und Problemstellungen direkt mit den Lieferanten bzw. Produktionsstätten besprochen und Maßnahmen implementiert werden. So ist im asiatischen Raum das Sourcing- und Beschaffungsbüro REWE Far East (RFE) für einen Teil der Beschaffung von Food- und Non-Food-Produkten zuständig und nimmt eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Umweltbedingungen in der Lieferkette ein. Hierfür steht die Corporate-Responsibility-Abteilung der RFE im direkten Kontakt zu den Lieferanten und betreut das Green Production Program und Detox-Programm vor Ort.

Bei der Beschaffung von Obst und Gemüse wird die REWE Group durch ihre 100-prozentigen Tochterunternehmen Eurogroup und Campina Verde mit ihren einzelnen Ländervertretungen unterstützt. So gelingt es dem Handelsunternehmen, seine Wertschöpfungsketten transparenter zu gestalten. Die Länderbeauftragten für Spanien, Italien und Deutschland sorgen für einen engen Austausch mit der Produktion und helfen dabei, die Anforderungen der REWE Group in Österreich bestmöglich umzusetzen.

Umwelteffekte mit dem Green Production Program prüfen und verbessern

Im Berichtsjahr wurde ein Umweltprogramm für Lieferanten implementiert, das zum Erreichen des KPIs beiträgt: Das sogenannte Green Production Program basiert auf einem Prozess, der die Umwelteffekte in Produktionsstätten bei strategischen Lieferanten prüft, um diese anschließend zu verbessern. Hierzu fand im Jahr 2018 ein Pilot mit ausgewählten Lieferanten von Metall- und Plastikprodukten statt, da die Umweltauswirkungen in diesen Warengruppen vergleichsweise hoch sind. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden die teilnehmenden Produktionsstätten mit Blick auf Umweltrisiken überprüft oder beraten. Nun sollen weitere Produktionsstätten sukzessive in das Programm integriert werden. Die Produktionsstätten der ersten 60 Lieferanten wurden bereits integriert. Neben dem Green Production Program, das unter anderem auf Instrumenten der Business Environmental Performance Initiative (BEPI) von amfori fußt, bestehen für andere Warenbereiche bereits etablierte Programme wie beispielsweise das Detox-Programm.

Negative Umweltauswirkungen in der Lieferkette und ergriffene Maßnahmen

GRI 308-2

Konkrete Maßnahmen zur Reduktion negativer ökologischer Auswirkungen setzt die REWE Group in Österreich im Rahmen von drei Ansätzen um:

1. Internes Management

Regelmäßig werden MitarbeiterInnen der REWE Group in Österreich zu relevanten ökologischen Themen geschult, damit diese bei der Auswahl der Lieferanten sowie im Einkaufsprozess entsprechend Berücksichtigung finden. Zielgruppenorientiert werden Informationen zu relevanten Themen wie Biodiversität und Verpackungen gestellt. Spezielle Anforderungen werden bereits im Ausschreibungsprozess berücksichtigt und in Lieferantenverträge integriert.

2. Lieferkettenmanagement

Das Lieferkettenmanagement der REWE Group in Österreich umfasst die Lieferantenbewertung, -sensibilisierung und -verpflichtung sowie Audits und daraus abgeleitete Maßnahmen. Das Unternehmen arbeitet mit etablierten Standards zusammen, um die Lieferkette schrittweise nachhaltiger zu gestalten. Auf Lieferantenveranstaltungen und in individuellen Gesprächen mit Lieferanten sensibilisiert die REWE Group in Österreich immer wieder für ökologische Themen. Außerdem sind die Anforderungen zu den Themen sowohl in den Verträgen mit den Lieferanten als auch in der Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften integriert, sodass die Einhaltung mit jeder Ausschreibung bzw. jedem Vertrag durch die Lieferanten bestätigt wird. Für Fokusrohstoffe, wie beispielsweise Kakao oder Palmöl, hat die REWE Group in Österreich Leitlinien mit detaillierten Anforderungen und Zielen definiert, welche an die Lieferanten weitergegeben werden.

Ökologische Standards umsetzen

Bei der Umsetzung von Verbesserungen setzt die REWE Group in Österreich auf anerkannte Standards wie beispielsweise auf FSC® und PEFC™ Zertifizierungen für nachhaltige Forstwirtschaft, das Kontrollzeichen "Ohne Gentechnik hergestellt", das österreichische Umweltzeichen oder das EU-Bio-Siegel, um eine Verbesserung der ökologischen Bedingungen in der Lieferkette zu erwirken. In der Lieferkettenstufe der Produktion setzt die REWE Group in Österreich unter anderem auf Instrumente wie das Detox-Programm. Außerdem engagiert sich die REWE Group durch die aktive Mitarbeit bei Plattformen wie dem Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) oder dem Forum Nachhaltiger Kakao, um Standards weiterzuentwickeln und branchenweite Verbesserungen von ökologischen Bedingungen herbeizuführen (siehe dazu auch Abschnitt Fokusrohstoffe – Food und Fokusrohstoffe – Non-Food).

Reduktion der Pflanzenschutzmittel bei konventionellem Obst und Gemüse

Die REWE Group in Österreich hat sich das Ziel gesetzt, die Pestizidbelastung bei konventionellem Obst und Gemüse zu reduzieren. Dazu arbeitet sie mit Erzeugern, NGOs und der Wissenschaft an Lösungen, um mögliche negative Effekte für Umwelt und Gesundheit zu minimieren und dabei die Produktion und Ertragssicherheit für Landwirte sicherzustellen. Vor diesem Hintergrund wurde bereits 2003, gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, das Pestizidreduktionsprogramm (PRP) entwickelt, das bis dato für jegliches Obst und Gemüse der REWE Group in Österreich angewendet wird.

Die Programmarbeit von GLOBAL 2000 umfasst vier Bereiche: Bindende Standards setzen, regelmäßige Kontrollen durchführen, Zusammenarbeit mit Landwirten und Bewusstseinsbildung. Unabhängige Labors untersuchen wöchentlich Proben aus dem gesamten Obst- und Gemüsesortiment auf Pestizidrückstände. Die Probenziehung orientiert sich u.a. an der Saisonalität, sodass auch Obst und Gemüse, das nur wenige Wochen im Markt ist, entsprechend übergeprüft wird wie beispielsweise heimischer Spargel oder Kirschen.

Die von GLOBAL 2000 festgelegten Grenzwerte sind für Lieferanten verpflichtend und liegen zumeist deutlich unter den gesetzlichen Höchstwerten. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden laufend auf der BILLA und MERKUR Website veröffentlicht. Darüber hinaus erstellt GLOBAL 2000 für die REWE Group seit 2009 jährlich den Statusbericht Chemischer Pflanzenschutz. Dieser zeigt die Pestizidbelastung des konventionellen Sortiments an Frischobst und –gemüse und ist die Grundlage für Weiterentwicklungen.

Seit Herbst 2016 wurden auch Pestizide mit hormonell wirksamen Stoffen (EDC) in das PRP aufgenommen, deren Einsatz gesetzlich noch nicht reguliert ist. Diese Chemikalien sind körperfremde Stoffe, die körpereigene Hormone verstärken oder blockieren können. Da viele dieser Chemikalien bereits in sehr geringen Mengen wirken können, wurden sie im Rahmen des PRP verboten. Das erste Etappenziel soll Ende 2019 erreicht werden: Nullrückstände bei den 10 priorisierten EDC-Wirkstoffen.

Detox-Programm gegen negative Auswirkungen in der Textilproduktion

Um die ökologischen Auswirkungen in der Lieferkette von Textilien zu verbessern, hat sich die REWE Group in Österreich im Jahr 2014 der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen und ein entsprechendes Programm für Eigenmarkenprodukte in den Warengruppen Kleidung, Schuhe und Heimtextilien aufgesetzt. Das Ziel ist eine sichere Textilproduktion ohne gefährliche Chemikalien bis zum Jahr 2020. Dazu arbeitet die REWE Group in Österreich gemeinsam mit ihren Lieferanten daran, gefährliche Chemikalien systematisch aus der Textilproduktion zu eliminieren.

Chemikalien kommen vor allem in den sogenannten Nassprozessen der Textilproduktion wie dem Färben, Bleichen oder Waschen zum Einsatz. Wenn bei diesen Arbeitsschritten gefährliche Substanzen verwendet werden, kann dies zu einer Gesundheitsgefährdung der ArbeiterInnen in den Fabriken führen. Gelangen die Chemikalien über das Abwasser der Fabriken in die Umwelt, können Gewässer und andere Ökosysteme dadurch Schaden nehmen. Zur Umsetzung des Detox-Programms wurde im Jahr 2014 eine Roadmap verabschiedet, die den Weg bis 2020 aufzeigt.

3. Stakeholder-Management

Um Rahmenbedingungen zu verbessern, bündelt das Unternehmen in Brancheninitiativen und Partnerschaften ihre Kräfte mit anderen Unternehmen sowie weiteren Stakeholdern und erhöht damit ihren Einfluss. Zudem beteiligt sich die REWE Group in Österreich aktiv an der Weiterentwicklung dieser Partnerschaften und vertritt dort ihre Interessen.

2018 engagierte sich die REWE Group in Österreich in folgenden Initiativen, die sich ebenfalls mit den Umweltauswirkungen in den Lieferketten befassen:

ARGE Gentechnikfrei

Die REWE Group in Österreich ist Gründungsmitglied der ARGE Gentechnikfrei, die im Nachgang des Volksbegehrens gegen den Einsatz von Gentechniken in Österreich 1997 als Plattform gegründet wurde. 2018 hatte die REWE Group in Österreich etwa 3.500 Produkte im Sortiment, die das grüne Qualitätszeichen „Ohne Gentechnik hergestellt“ trugen. Der verbreitete Einsatz des Labels durch die Eigenmarken der REWE Group in Österreich sowie die regelmäßige Darstellung in den Flugblättern der Handelsfirmen BILLA, MERKUR, PENNY und ADEG haben entscheidend zur Bekanntmachung und Bewusstseinsbildung in diesem Bereich beigetragen. Neben der Vollversammlung gab es 2018 vier Vorstandssitzungen, bei dem die REWE Group in Österreich mit einem Mandat vertreten war. Zentrale Aktivitäten 2018 waren u.a. zwei Briefe im Mai und Oktober an EU Präsident Mr. Jean-Claude Juncker und EU Kommissar Mr. Vytenis Andriukaitis betreffend den Umgang mit neuen Gentechniken wie CRISPR/CAS. Während der „Gentechnik freie Wochen“, die 2018 zum zweiten Mal stattfanden, wurden in Kundenmedien Lebensmittel mit dem Label „Ohne Gentechnik hergestellt“ promotet.

Marine Stewardship Council (MSC)

Regelmäßiger Austausch und Zusammenarbeit mit dem Marine Stewardship Council (MSC). Der MSC ist eine unabhängige und gemeinnützige Organisation, die ein Siegel für Fisch und Meeresfrüchte aus nachhaltigem Wildfang vergibt. Die zertifizierten Fischereien sorgen für einen nachhaltigen Fischbestand, intakte marine Lebensräume und den Schutz gefährdeter Arten.

Gemeinnützige Privatstiftung der REWE International „Blühendes Österreich“

Über das Flächenschutzprogramm FLORA wurden 2018 insgesamt 121 landwirtschaftliche Betriebe, Organisationen und Gemeinden beim Schutz und Erhalt wertvoller gefährdeter Lebensräume für Vögel, Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten gefördert. Über 350 Hektar ökologisch hochwertige Flächen in landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen sind Teil des Programms. 2018 fanden fünf Vorstandssitzungen statt. Ein langfristiges und stabiles Wirken ist das entscheidende Kriterium für die Sicherung der heimischen Artenvielfalt.