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Soziale Aspekte in der Lieferkette

Managementansatz

Die REWE Group in Österreich bezieht eine Vielzahl von Produkten und Produktbestandteilen über Lieferketten, die sich über mehrere Länder erstrecken können. Insbesondere in den Lieferkettenstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung liegt ein erhöhtes Risiko der Missachtung von Arbeits- und Sozialstandards. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group in Österreich.

Nachhaltigkeit ist als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse der REWE Group in Österreich integriert und wird durch eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen „Grüne Produkte“, „Energie, Klima und Umwelt“, „MitarbeiterInnen“ und „Gesellschaftliches Engagement“ sichergestellt.

Im Rahmen der Handlungsfelder Bewusste Ernährung, Fairness und Sozialstandards, Artenvielfalt und Lebensräume (Ressourcenschonung) und Tierwohl werden wirksame Maßnahmen in der Säule „Grüne Produkte“ entwickelt, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Die Aktivitäten zu sozialen Aspekten in der Lieferkette beziehen sich auf das Handlungsfeld Fairness und Sozialstandards. Unter Fairness versteht die REWE Group in Österreich die Achtung und Stärkung von Menschenrechten und die Verbesserung von Arbeitsbedingungen sowie die Förderung eines fairen Handels. Ziel ist es, zusammen mit Geschäftspartnern und Lieferanten verbindliche Standards für die gemeinsamen Lieferketten zu implementieren und den Dialog zwischen allen Partnern zu fördern – um Menschenrechte zu stärken und die Arbeits- und Sozialstandards weiter zu verbessern.

GRI 414: Soziale Bewertung der Lieferanten

GRI 412: Prüfung auf Einhaltung der Menschenrechte

Für alle Geschäftsbeziehungen greift die Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften der REWE Group. Die Leitlinie orientiert sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem UN Global Compact. Sie umfasst unter anderem das Verbot von Zwangsarbeit und ausbeuterischer Kinderarbeit sowie den fairen Umgang mit MitarbeiterInnen. Im Falle vorsätzlicher grober Missachtung der in der Leitlinie beschriebenen Werte behält sich die REWE Group in Österreich Sanktionen vor.

Eine REWE Group Grundsatzerklärung Menschenrechte wurde 2018 erarbeitet und Anfang 2019 auch von der REWE Group in Österreich übernommen. Damit verbunden ist die Verpflichtung, die Menschenrechte zu stärken und Menschenrechtsverletzungen vorzubeugen. Dieses Bekenntnis gilt sowohl für die eigenen Geschäftstätigkeiten als auch für die globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten.

Um die wesentlichen sozialen Auswirkungen zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zur Verbesserung in den zum Teil sehr komplexen und globalen Lieferketten der Eigenmarkenprodukte umzusetzen, folgt die REWE Group in Österreich dem Prozess der REWE Group:

Mittels Umfeldanalyse werden negative Auswirkungen in der Lieferkette identifiziert. Dabei werden unterschiedliche Stakeholdergruppen einbezogen und die Themen vor allem mit Nichtregierungsorganisation, Lieferanten und Interessenvertreter besprochen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen leiten sich Fokusrohstoffe und Schwerpunktthemen ab. Dabei haben sich zwei Schwerpunktthemen herauskristallisiert, die sich durch eine Vielzahl der Fokusrohstoffe und Länder ziehen. Diese sind Kinder- und Zwangsarbeit sowie existenzsicherndes Einkommen. Die Fokusrohstoffe und Schwerpunktthemen werden mit entsprechenden Maßnahmen bearbeitet, um negativen Effekten entgegenzuwirken. Diese Maßnahmen werden durch einen Managementansatz auf drei verschiedenen Ebenen umgesetzt:

  1. Internes Management: Es stehen Information und Schulung von EinkäufInnern sowie Treffen mit Lieferanten im Mittelpunkt.
  2. Lieferkettenmanagement: Integration von Nachhaltigkeitsanforderung bei der Ausschreibung von Produkten oder Rohstoffen, Einkauf von zertifizierten Rohstoffen oder Anforderungen als Teil von vertraglichen Vereinbarungen.
  3. Stakeholder-Management: Zusammenarbeit mit standardgebenden Organisationen bei der Weiterentwicklung von Standards. Je nachdem, welche Risiken ermittelt werden, können Maßnahmen unterschiedlich definiert sein, beispielsweise eine Einforderung von Standards und Zertifizierungen, die Zusammenarbeit mit Standardorganisationen, der Beitritt zu Brancheninitiativen sowie Projekte mit Lieferanten und Erzeugern vor Ort.

Je nachdem, welche Risiken ermittelt werden, können Maßnahmen unterschiedlich definiert sein, beispielsweise eine Einforderung von Standards und Zertifizierungen, die Zusammenarbeit mit Standardorganisationen, der Beitritt zu Brancheninitiativen sowie Projekte mit Lieferanten und Erzeugern vor Ort.

Die durchgeführten Aktivitäten werden überwacht und evaluiert. Die Erkenntnisse aus dem Monitoring fließen in die Weiterentwicklung der Maßnahmen ein.

Um die Fortschritte im Handlungsfeld Fairness und Sozialstandards messbar zu machen, wurde folgendes Ziel für die Eigenmarken definiert:

  • Beschwerdemechanismus-System bis 2025

Durch die REWE Group Einkaufsgesellschaften vor Ort können Anforderungen und Problemstellungen direkt mit den Lieferanten bzw. Produktionsstätten besprochen und Maßnahmen implementiert werden. So ist im asiatischen Raum das Sourcing- und Beschaffungsbüro REWE Far East (RFE) für einen Teil der Beschaffung von Food- und Non-Food-Produkten zuständig und nimmt eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Lieferkette ein. Hierfür steht die Corporate-Responsibility-Abteilung der RFE im direkten Kontakt zu den Lieferanten und betreut den Social-Compliance-Prozess vor Ort.

Negative Auswirkungen in der Lieferkette und Maßnahmen

GRI 414-2

Konkrete Maßnahmen zur Reduktion negativer sozialer Auswirkungen setzt die REWE Group in Österreich im Rahmen der folgenden drei Ansätze um:

1. Internes Management

Die REWE Group in Österreich arbeitet daran, nachhaltige Beschaffung weiter in ihre Einkaufsprozesse zu integrieren, um Nachhaltigkeitsaspekte bei jeder Einkaufsentscheidung zu berücksichtigen. Durch die Bereitstellung von Risikoanalysen und Briefings, die Abstimmung von verbindlichen Zielen mit den Einkaufsbereichen sowie Schulungen zu Nachhaltigkeitsthemen trägt die REWE Group in Österreich zu einer internen Sensibilisierung bei.

Regelmäßig werden MitarbeiterInnen der REWE Group in Österreich zu relevanten Arbeits- und Sozialstandardthemen geschult, sodass die definierten Standards – wie beispielsweise die Einforderung von Sozialaudits – in der Auswahl der Lieferanten sowie im Einkaufsprozess Berücksichtigung finden. Interne Reportings ermöglichen eine kontinuierliche Weiterentwicklung innerhalb des Handlungsfelds Fairness und Sozialstandards. Die externe Kommunikation schafft Transparenz gegenüber Stakeholdern.

2. Lieferkettenmanagement

Die Nachhaltigkeitsrisiken, die mit Blick auf das Handlungsfeld Fairness und Sozialstandards in der Lieferkette auftreten, geht die REWE Group in Österreich gezielt durch ein Lieferkettenmanagement an, welches von einer engen Zusammenarbeit mit Lieferanten sowie dem Engagement auf Ebene der Produktionsstätten und der Rohstofferzeugung geprägt ist. Durch das Lieferkettenmanagement erhöht die REWE Group in Österreich zunächst, wo noch nicht vorhanden, die Transparenz entlang der Lieferkette für die Eigenmarkenprodukte. So können Risiken identifiziert und daraufhin besser vermieden bzw. direkt adressiert werden. Darüber hinaus wird die Integration von Nachhaltigkeit als Teil der Lieferantenbewertung gefördert.

Im Lieferkettenmanagement folgt die REWE Group in Österreich im Bereich Fairness und Sozialstandards einem dreistufigen Ansatz, der die Formulierung von Anforderungen, die Kontrolle und die Entwicklung der Lieferanten und Lieferketten umfasst.

  1. Verpflichtung
  2. Kontrolle
  3. Weiterentwicklung

Alle Geschäftspartner in den Eigenmarkenlieferketten der REWE Group in Österreich sind verpflichtet, die Produktionsstätten zu benennen, in denen Produkte für das Unternehmen hergestellt werden. Durch eine Sensibilisierung und die Verpflichtungen der Vertragspartner werden konkrete Regeln geschaffen, um Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette umzusetzen. Die Anforderungen werden von der Nachhaltigkeitsabteilung und dem Qualitätsmanagement der REWE Group in Österreich im Einkaufsprozess überprüft.

Die Geschäftspartner der REWE Group in Österreich sind verpflichtet, Mindestanforderungen wie international und national geltende Gesetze sowie die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu befolgen. Damit geht die Verpflichtung einher, insbesondere folgende Prinzipien einzuhalten:

  • Jegliche Formen von Diskriminierung sind untersagt. Geschäftspartner verpflichten sich, Personen nicht aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder aus anderen Gründen auszugrenzen oder zu bevorzugen.
  • Alle Unternehmen der Lieferkette müssen ihren Beschäftigten mindestens die national geltenden Mindestlöhne regelmäßig (mindestens monatlich) auszahlen.
  • Geschäftspartner müssen sicherstellen, dass die Arbeitszeiten den national geltenden gesetzlichen bzw. branchenüblichen Arbeitszeiten entsprechen.
  • Die Geschäftspartner halten Arbeitsschutzvorschriften nach nationalem Recht und internationalen Standards ein.
  • Alle Geschäftspartner ermöglichen den Arbeitnehmern, ihr Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivvereinbarungen auszuüben.
  • Die Geschäftspartner tragen dafür Sorge, in ihren Betrieben keine Kinder zu beschäftigen.
  • Die Geschäftspartner müssen einen fairen und respektvollen Umgang mit den Beschäftigten gewährleisten.
  • Jegliche Formen von Zwangs- bzw. Pflichtarbeit oder Menschenhandel sind durch die Geschäftspartner auszuschließen.

Fairtrade

Das Ziel von Fairtrade ist es, den Konsum verantwortungsvoller zu gestalten und die Arbeits- und Lebenssituation der ProduzentInnen in Entwicklungsländern zu verbessern. Die REWE Group in Österreich verkaufte 2018 über 14 Millionen Fairtrade-Produkte – vor allem in den Warengruppen Früchte, Reis, Kaffee, Zucker, Honig, Fruchtsäfte sowie Blumen. Mit Eigen- und Exklusivmarken der REWE Group in Österreich wurden 2018 Fairtrade-Prämien von über 540.000 Euro erwirtschaftet, die den ProduzentInnen in Schwellen- und Entwicklungsländern zugutekommen. Das entspricht einer Steigerung um über 6 Prozent zum Vorjahr. Bio-Bananen und Bio-Ananas werden bei BILLA, MERKUR, Sutterlüty und ADEG im Rahmen von „Ja! Natürlich“ ausschließlich mit dem Fairtrade-Label angeboten. Alle Produkte im Heiß-Kaffee-Bereich der Bio-Eigenmarken „Ja! Natürlich“ und „Echt B!O“ sowie der BILLA Marke tragen das Fairtrade-Siegel und alle verkauften Rosen bei BILLA und MERKUR sind Fairtrade-zertifiziert. Fairtrade stellt außerdem einen wichtigen Standard zur Umsetzung der Leitlinie für Kakao dar.

Rohstoffe im Fokus

Auf Basis von produktbezogenen Risikoanalysen wurden folgende kritische Rohstoffe im Zusammenhang mit dem Handlungsfeld Fairness und Sozialstandards definiert: Kakao, Palmöl, Fisch, Obst und Gemüse.

Für einige Fokusrohstoffe hat die REWE Group in Österreich Leitlinien mit detaillierten Anforderungen und Zielen definiert. Für weitere Informationen siehe Abschnitte und Fokusrohstoffe – Food und Fokusrohstoffe – Non-Food.

3. Stakeholder-Management

Die Herausforderungen der Bearbeitung von Nachhaltigkeitsrisiken in der Herstellung der Eigenmarkenprodukte liegen oft in den globalen Handelsstrukturen und sind beeinflusst durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Identifikation der relevanten Themen und zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie ist daher ein gutes Stakeholder-Management. Dazu steht die REWE Group in Österreich mit Stakeholdern in kontinuierlichem Austausch und lädt regelmäßig zu Dialogveranstaltungen ein.

Zudem engagiert sich die REWE Group in den folgenden nationalen und internationalen Initiativen, die sich mit den Themen Menschenrechte und Arbeitsbedingungen im jeweiligen Kontext befassen:

  • Mitglied bei amfori BSCI: Damit verpflichtet sich das Unternehmen selbst sowie alle Lieferanten und Produzenten, den Verhaltenskodex von amfori BSCI einzuhalten. Die REWE Group ist aktiv in Arbeitsgruppen und dem Mitgliederausschuss vertreten, um die Weiterentwicklung mitzugestalten.
  • Mitglied beim Consumer Goods Forum: Die Organisation soll Einzelhändlern und Konsumgüterherstellern dabei helfen, zusammen mit anderen wichtigen Interessengruppen daran zu arbeiten, das Vertrauen der Verbraucher zu sichern und positive Veränderungen unter dem Motto „Better Lives through Better Business“ voranzutreiben.
  • Gründungsmitglied beim Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP): Ziel der Multi-Stakeholder-Initiative ist es, den Anteil nachhaltig erzeugten Palmöls signifikant zu erhöhen und gleichzeitig existierende Zertifizierungen und Standards zu verbessern. Die REWE Group ist im Vorstand des FONAP vertreten.
  • Gründungsmitglied beim Forum Nachhaltiger Kakao: Die Multi-Stakeholder-Initiative engagiert sich für die Verbesserung der Lebensumstände von Kakaobäuerinnen und -bauern, den Schutz natürlicher Ressourcen und der Biodiversität sowie für den Anbau und die Vermarktung nachhaltigen Kakaos.
  • Mitglied bei der CSR FruitJuice Plattform: Die Plattform treibt soziale und ökologische Verbesserungen in den Lieferketten der Fruchtsaftindustrie voran. Sie wurde ins Leben gerufen, um die europäischen Fruchtsaftproduzenten dabei zu unterstützen, CSR-Maßnahmen in ihre Unternehmensstrategien zu integrieren und so einen langfristigen nachhaltigen Beitrag entlang der globalen Wertschöpfungskette von Fruchtsäften für alle Stakeholder zu erreichen.
  • Mitglied beim World Banana Forum: Das Forum bringt unterschiedliche Stakeholder der weltweiten Bananenlieferkette zusammen, um einen nachhaltigen Anbau, die Einhaltung von Menschenrechten und die Verbesserung von Arbeitsbedingungen zu erreichen.
  • Mitglied beim Bangladesh Accord on Fire and Building Safety: Ziel des Accord ist die Erhöhung der Sicherheit in der Textilbranche durch unabhängige Inspektoren, die bei Fabrikbesuchen die Gebäudesicherheit, den Brandschutz und die elektrische Sicherheit prüfen.
  • Mitglied beim Bündnis für nachhaltige Textilien: Das Bündnis ist eine Partnerschaft unterschiedlicher Stakeholder, um Verbesserungen entlang der globalen Wertschöpfungskette in der Textilindustrie durchzusetzen. Die REWE Group engagiert sich in Bezug auf soziale Themen in der Arbeitsgruppe zu Beschwerdemechanismen und der Arbeitsgruppe Existenzsichernde Löhne. Die REWE Group hat für 2018 wieder eine Roadmap entwickelt, die auf die Bündnisziele einzahlt, und wird im Rahmen des Reportings des Textilbündnisses über Fortschritte im Jahr 2018 berichten.
  • Beiratsmitglied bei Cotton made in Africa: Diese Initiative wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Lebensbedingungen der Menschen in den afrikanischen Baumwollanbaugebieten zu verbessern.
  • Mitglied im Technical Committee von Global G.A.P. GRASP: GRASP ist ein Modul zur sozialen Risikobewertung von Betrieben, die nach dem Global G.A.P.-Standard zertifiziert sind. Die zentrale Aufgabe des Technical Committee ist die Beratung des Lenkungsausschusses hinsichtlich strategischer und technischer Weiterentwicklungen.
  • Mitglied im Rainforest Alliance Standards Committee: Rainforest Alliance ist ein Nachhaltigkeitsstandard für die Produktion von Agrarrohstoffen und -produkten. Das Standards Committee entscheidet auf Grundlage der öffentlichen Standardkonsultationen über die inhaltliche Weiterentwicklung.
  • Mitglied beim Center for Child Rights and Corporate Social Responsibility: CCR CSR unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung von Kinderrechts-Policies.

Schulungen für Angestellte zu Menschenrechtspolitik und -verfahren

GRI 412-2

Siehe Internes Management.