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Tierwohl

Managementansatz

Im Lebensmitteleinzelhandel spielt die Haltung und Nutzung von Tieren eine bedeutende Rolle. Tierische Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier sind ein fester Bestandteil heutiger Ernährungsgewohnheiten – die Nutztierhaltung ist damit ein wesentlicher Zweig der landwirtschaftlichen Produktion. Für das Wohlbefinden der Nutztiere sind die Haltungsbedingungen entscheidend. Diese sind im Idealfall an die natürlichen Bedürfnisse der Tiere angepasst. In heutigen Produktionssystemen ist dies jedoch häufig nicht der Fall, da die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund gerückt ist und somit die Nutztiere den Haltungssystemen angepasst wurden.

Um die Tierhaltung in den intensiven konventionellen Haltungssystemen überhaupt erst zu ermöglichen, werden routinemäßige Eingriffe am Tier durchgeführt. Das Kürzen der Hörner bei Ochsen und Kühen oder das Kupieren des Ringelschwanzes bei Ferkeln ist hierfür ein Beispiel. Ein weiterer Brennpunkt ist das Töten männlicher Küken im konventionellen Bereich der Frischeiproduktion. Hierfür hat die REWE Group in Österreich 2018 eine Strategie der Marke Toni’s Freilandeier zur Bruderhahnaufzucht ausgearbeitet, die vorsieht ab Herbst 2019 die männlichen Küken aufzuziehen.

Nachhaltigkeit ist als fester Bestandteil in die Unternehmensprozesse der REWE Group in Österreich integriert und wird durch eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen „Grüne Produkte“, „Energie, Klima und Umwelt“, „MitarbeiterInnen“ und „Gesellschaftliches Engagement“ sichergestellt.

Im Rahmen der Handlungsfelder Bewusste Ernährung, Fairness und Sozialstandards, Artenvielfalt und Lebensräume (Ressourcenschonung) sowie Tierwohl werden wirksame Maßnahmen in der Säule „Grüne Produkte“ entwickelt, um negative ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Das Ziel des Handlungsfelds Tierwohl ist es, zusammen mit Geschäftspartnern und Lieferanten verbindliche Standards zu implementieren und den Dialog zwischen allen Partnern zu fördern, um den negativen Auswirkungen mit Blick auf das Tierwohl entgegenzuwirken.

GRI FP10: Physische Veränderung an Tieren

In ihrer Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften bekennt sich die REWE Group zur Einhaltung und Verbesserung von Tierschutzstandards sowie zum Ausbau des Tierschutzes in der Tierhaltung. Um dieser Verpflichtung nachzukommen, veröffentlichte die REWE Group 2015 mit dem Leitbild Nutztierhaltung der Zukunft ein Positionspapier, das die übergreifenden Ziele der REWE Group in Österreich für eine nachhaltigere Tierhaltung dokumentiert. Es zeigt die verschiedenen Anforderungen auf, die eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Einklang bringen muss. Dazu zählen neben Tierwohl auch Umwelt- und Klimaschutz, Ressourceneffizienz, Lebensmittelsicherheit und Wirtschaftlichkeit. Außerdem formulierte die REWE Group mit dem Leitbild einen Wertekanon für ihr Tierwohlengagement. Dieser orientiert sich an den „Fünf Freiheiten“ einer verantwortungsvollen Nutztierhaltung, die durch das Farm Animal Welfare Council des britischen Landwirtschaftsministeriums definiert wurden:

  1. Freiheit von Hunger, Durst und Fehlernährung
  2. Freiheit von Unbehagen
  3. Freiheit von Angst, Stress und Leiden
  4. Freiheit von Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten
  5. Freiheit zum Ausleben normaler Verhaltensweisen

Das Leitbild dient dazu, die bestehenden Projekte und Anforderungen weiterzuentwickeln. Über bestimmte Programme wurden spezifische Haltungs- und Managementsysteme mit konkreten Vorgaben verbunden.

Zusätzlich zum Leitbild Nutztierhaltung der REWE Group veröffentlichte die REWE Group in Österreich im Dezember 2016 eine eigene Leitlinie Tierwohl, die die wesentlichen Maßnahmen und Handlungsfelder für Österreich darstellt.

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls

„Ja! Natürlich“

„Ja! Natürlich“ beschäftigte sich viele Jahre mit Lösungsansätzen zur Verhinderung der betäubungslosen Ferkelkastration. Nachdem bereits zahlreiche Zuchtbetriebe in den letzten Jahren zu einer Umstellung auf Kastration mit Schmerzausschaltung und nachfolgender Schmerzbehandlung bewegt werden konnten, konnte dies seit 2018 bei allen Betrieben sichergestellt werden. Diese Zuchtbetriebe produzieren jährlich rund 20.000 Ferkel für „Ja! Natürlich“.

PRO PLANET Hühner

Seit 2013 wird das Hühner-Frischfleisch der Eigenmarken „Hofstädter“ und „mit Leib und Seele“ nachhaltiger produziert. Das PRO PLANET Programm setzte neue Maßstäbe bei Tierhaltung und Management, wobei auch die Umwelt und Mastbetriebe von den Maßnahmen profitieren. Alle PRO PLANET Hühner stammen ausschließlich von österreichischen Partnerbetrieben aus Kärnten und der Steiermark. Den Masthühnern steht rund 20 Prozent mehr Lebensraum und Tageslicht als gesetzlich vorgeschrieben zur Verfügung. Mit Strohballen steht den Hühner auch zusätzliches Beschäftigungsmaterial und wichtige Ruheplätze zur Verfügung. Ebenso ist der Schutz der Tiere bei Verladung, Transport und Schlachtung streng geregelt. Im Jahr 2018 wurden fünf Millionen Masthühner nach den PRO PLANET Kriterien aufgezogen. Etwa 70 Hühnermastbetriebe nehmen am Programm teil. Jeder Mastbetrieb wird einmal jährlich auf die Einhaltung der Richtlinien von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft.

Stopfmast und Lebendrupf ist in vielen Ländern Europas in der Gänsehaltung im Gegensatz zu Österreich nach wie vor erlaubt und auch in Österreich werden immer noch diese Produkte verkauft. Um diese qualvollen Praktiken auszuschließen, bietet die REWE Group in Österreich einerseits österreichische Ware an. Zusätzlich wird ausländische Ware nur von Betrieben gekauft, die von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN freigegeben wurden. Damit wird sichergestellt, dass die Betriebe regelmäßig kontrolliert werden und die Gänse weder gestopft noch lebend gerupft wurden. Ebenso ist Auslaufhaltung vorgeschrieben.

Seit 2012 ist ein EU-weites Verbot der konventionellen Käfighaltung für Legehennen in Kraft. Die REWE Group in Österreich ging noch einen Schritt weiter: In Eigenmarken-Produkten wie zum Beispiel Nudeln oder Backwaren dürfen nur Eier aus Boden- und Freilandhaltung verarbeitet werden. Um das sicherstellen zu können, verlangt die REWE Group in Österreich von ihren Produzenten seit 2013 eine entsprechende Zertifizierung oder eindeutigen Nachweis. Das dabei empfohlene Zertifizierungssystem (HG-Zertifizierung) der anerkannten Prüfstelle AgroVet, soll KonsumentInnen Sicherheit geben, dass dieses Produkt keine Eier aus konventioneller Käfig- oder Kleinvolierenhaltung enthält.

MERKUR „Fair zum Tier“

Unter der Eigenmarke „Fair zum Tier“ der Handelsfirma MERKUR werden Fleischprodukte vom Schwein und Rind angeboten. Hierbei handelt es sich um Fleischprodukte aus der konventionellen Tierhaltung, welche jedoch unter höheren Tierwohlstandards und somit auch über dem gesetzlichen Standard produziert werden. Für den Schweinefleischbereich werden eigens, um- bzw. neugebaute Ställe für die Produktion verwendet. Dies ist notwendig da die „Fair zum Tier“ Richtlinien ein Verbot von Vollspaltenböden, 100 Prozent mehr Platz und den Zugang ist Freie vorschreiben. Darüber hinaus dürfen Eingriffe an Ferkel, wie die Kastration und das kupieren des Schwanzes, nicht ohne vorangehende Betäubung durchgeführt werden. Die Fütterung der Schweine erfolgt mit heimischen, gentechnikfreien Soja, was zum Großteil von den schweinehaltenden Betrieben selbst stammt.

Im Rindfleischbereich wird auf Fleisch von Almochsen, kurz ALMO-Rinder zurückgegriffen. Alle Rinder im ALMO-Qualitätsprogramm müssen in Österreich geboren, aufgezogen und geschlachtet werden. Das Hauptaugenmerk liegt in der speziellen Haltungsform. ALMO-Rinder müssen auf Bergwiesen und Almweiden gehalten werden, auf denen sie zwischen Mai und Oktober hochwertiges Gras, würzige Almkräuter und frisches Quellwasser zur Verfügung haben. Im Winter verbringen die Tiere ihre Zeit in geräumigen Laufställen, wobei auch hier nur hochwertiges Heu, Silage und gentechnikfreies Getreide als Futterquelle zum Einsatz kommt. Ein Verbot von Vollspaltenböden, Anbindehaltung und lange Transportwege zum Schlachthof sind ebenfalls im Qualitätsprogramm festgeschrieben. Die Enthornung und Kastration der Tiere darf nur behutsam unter Schmerzausschaltung erfolgen.

Touristik

Um dem Anspruch nach tierfreundlichen Angeboten gerecht zu werden, verabschiedete auch die DER Touristik 2017 eine verbindliche Tierschutzrichtlinie. Als verantwortungsbewusster Reiseveranstalter, der sich zu nachhaltigem Handeln verpflichtet, legt die DER Touristik Wert auf Natur- und Tierschutz. Aus diesem Grund unterstützt das Unternehmen vor allem Reiseerlebnisse, bei denen die Beobachtung von Tieren in freier Wildbahn im Vordergrund steht. Die Tierschutzrichtlinie regelt den Umgang touristischer Produkte mit Tierinteraktionen und verfolgt das Ziel, sämtliche Angebote der DER Touristik, bei denen Tiere zur touristischen Unterhaltung eingesetzt werden, bis 2020 zu überprüfen und sukzessive anzupassen. Angebote, die nicht den Anforderungen der Richtlinie entsprechen, werden aus dem Programm genommen oder – wo möglich – durch tierfreundlichere Alternativen ersetzt. Konsequenterweise wurden Angebote wie Elefantenreiten und Elefantenshows, Delfinschwimmen, Spazierengehen und Selfies mit Wildkatzen und Bärenshows aus dem Verkauf der deutschen Veranstaltermarken genommen. Um die Einhaltung der festgelegten Tierschutzkriterien und anerkannten Standards Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften sicherzustellen, werden Tiereinrichtungen im Rahmen unabhängiger Audits überprüft. Des Weiteren verpflichtet sich die DER Touristik, ihre Kunden über einen angemessenen Umgang mit Tieren und tierfreundliche touristische Angebote zu informieren.

Aufbauend auf der 2017 verabschiedeten Tierschutzrichtlinie und in Anerkennung ihrer Verantwortung wird die DER Touristik ihre Richtlinie 2019 auf die gesamte DER Touristik Gruppe ausweiten. Dazu zählen eine umfassende Gruppenstrategie und ein Aktionsplan mit verbindlichen Maßnahmen. Bis 2022 soll die Anpassung des gesamten Produktportfolios des Konzerns an etablierte Tierschutzstandards abgeschlossen sein. Neben Elefanten soll der Fokus in einem nächsten Schritt auf Einrichtungen und Angeboten mit Meeressäugern liegen.